Aktuelles-Dez-2019

Auszug aus der WZ vom 21. Dez. 2019
von Heiko Oetjen

Michael Hanisch: Ein Leben für den Sport

Hauptamtlicher Trainer der SG Böhmetal und des TV Jahn Walsrode
geht am Jahresende in Rente / „Nun etwas kürzer treten“

Ganz entspannt, mit einem Pott Kaffee in der Hand, blickte Michael Hanisch im WZ-Gespräch auf sein bewegtes Leben als hauptamtlicher Diplom-Sporttrainer im Heidekreis zurück. Am Jahresende geht der gebürtige Weserbergländer in den Ruhestand.

WALSRODE. Der Name Michael Hanisch kann im südlichen Heidekreis seit mehr als zwei Jahrzehnten als Synonym für das Schwimmen benutzt werden. Denn der hauptamtliche Trainer der SG Böhmetal und des TV Jahn Walsrode prägte wie kein Zweiter die Startgemeinschaft aus TVJ, MTV Schwarmstedt, SVE Bad Fallingbostel und (der inzwischen ausgeschiedenen) SG Bomlitz-Lönsheide.
Doch der prägnante Glatzkopf wird im kommenden Jahr deutlich weniger in der chlorigen Luft der Hallen- und Freibäder im Landkreis und ganz Norddeutschland zu sehen sein. Der Grund ist ganz einfach: Hanisch konnte im Februar dieses Jahres seinen 66. Geburtstag feiern – und damit fängt, wie Udo Jürgens besungen hat, das Leben an.
Mit etwas Verspätung geht der seit 1991 in Bad Fallingbostel lebende Hanisch nun am Jahreswechsel in Rente. Seit Oktober 1985 ist der im Weserbergland geborene Michael Hanisch bereits „zugezogener Heidjer“. Der damalige Geschäftsführer des Kreissportbundes Soltau-Fallingbostel (heute Sportbund Heidekreis) Willi-Ernst  „Ernie“ Meyer, den Hanisch voller Hochachtung als „Visionär“ bezeichnet, hatte vier Sportlehrer angestellt, um die Sport-Szene im gesamten Landkreis nachhaltig zu  stärken.
Einsatzort Hanischs war zu Beginn noch der Nordkreis. In Soltau unterstützte er die Lebenshilfe und die MTVHerzsportgruppe seines neuen Wohnortes Soltau sowie die Leichtathletik-Abteilung des TSV Wietzendorf. Dabei kam Hanisch seine umfassende und vielschichtige Ausbildung während des Studiums an der  Deutschen Sporthochschule in Köln zugute. „Heute kann man sich rasch  spezialisieren“, weiß er, „wir mussten damals praktisch alle Individual- und Mannschafts-Sportarten in Theorie und auch Praxis studieren.“ Und er erinnert sich mit Grausen: „Ich habe fast drei Semester trainiert, um beim Turnen die Riesenfelge und die Fallkippe am Reck zu schaffen. Beim Hürdenlauf mussten wir uns regelrecht durchbeißen. Das war auch ein Training  fürs Leben“ Als kleine Anekdote lässt der Diplom-Sportlehrer ins Gespräch einfließen, dass er zusammen mit dem späteren Fußballbundesliga-Trainer Christoph Daum und der Ex-Olympiasiegerin Ulrike Meyfarth in Köln studiert hat. „Zu der Zeit hat auch Jupp Heynckes bei Gero Bisanz sein Trainer-Diplom gemacht und saß mit uns in der Mensa“, schmunzelt Michael Hanisch.
Nach der Zeit im Nordkreis und dem Abgang der drei anderen hauptamtlichen KSB-Sportlehrer verlagerte sich Hanischs Arbeitsschwer- und Lebensmittelpunkt in den Südkreis. MTV Schwarmstedt, SV Lindwedel-Hope, SVE Fallingbostel, SG Bomlitz-Lönsheide waren einige Vereine, für die er tätig war in den Bereichen Basketball, Volleyball, Leichtathletik, Fußball, Schwimmen und vielen weiteren Sportarten.

Besonders bei der SG Böhmetal war Michael Hanisch als Schwimmtrainer in einem Element. Bei diesem Bild aus dem Jahr 2001 fällt auf, dass er sich in den Jahren kaum erändert hat. Sport scheint offensichtlich jung zu halten.

Allerdings gab es auch ein längeres Intermezzo bei der Klinik Fallingbostel, wo er von 1989 bis 1996 als Sporttherapeut angestellt war und unter anderem ein bundesweites Pilotprojekt mit Ergometern mit initiierte.
Danach zog es ihn wieder zum KSB. „Ernie“ Meyer und Rolf Dolle sahen  besonderen Bedarf im Schwimmbereich. So trainierte Hanisch die zuerst noch konkurrierenden Schwimmer aus Walsrode, Schwarmstedt, Bad Fallingbostel und Bomlitz, ehe dann 2000 die Startgemeinschaft (SG) Böhmetal gegründet wurde.
Sie wurde fortan Hanischs Arbeitsschwerpunkt. „Dabei ist das natürlich mehr als ‚nur‘ Arbeit“, betont er, „denn an den Wochenenden finden die Wettkämpfe statt, bei denen der Trainer natürlich mit dabei sein muss. Und das mache ich quasi ehrenamtlich. Das dürften nochmal so 400 bis 450 Stunden pro Jahr sein.“

Zu vielen seiner ehemaligen Schützlinge, zum Beispiel Malte Jaschek (l.) und Francesca Jung (r.) hält Michael Hanisch noch immer Kontakt – Bild aus dem Jahr 2006,

Die Erfolge, die Hanischs Schwimmerinnen und Schwimmer in den fast 20 Jahren SG Böhmetal einfuhren, sind unzählig. Dabei hält er heute noch via Sozialer Medien Kontakt zu sehr vielen seiner ehemaligen Schützlinge. „Wer gelernt hat, zielgerichtet zu trainieren und ein entsprechendes Engagement im Sport gezeigt hat, der macht dann auch im späteren Leben seinen Weg“, freut sich Michael  Hanisch, „ich verfolge sowieso den ganzheitlichen Ansatz. Denn neben dem  Körper ist auch die mentale Stärke ganz wichtig.
Ich lehre meine Aktiven Tai-Chi-Techniken, um das zu erreichen.“ So ganz wird der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes aber am 1. Januar 2020 nicht als (Schwimm)-Trainer abtreten, sondern in deutlich reduziertem Umfang noch als Honorarkraft für die SG Böhmetal und den TV Jahn Walsrode tätig bleiben. „In der freien Zeit werde ich lesen, mehr Badminton spielen und längere Radtouren  unternehmen – einfach ohne Ziel und Plan losfahren“, freut er sich schon. Denn Langweile kennt Michael